Frau am Handy

Datenschutz und Facebook – passt das zusammen?

Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Sie können immer wieder verwendet werden und sind damit quasi eine unerschöpfliche Ressource. Eine der größten Plattformen, auf denen personenbezogene Daten gesammelt werden, ist Facebook. Aber wie ist es um den Facebook-Datenschutz bestellt?

2020-10-22

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Daten, vor allem personenbezogene Daten, sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Sie lassen sich vor allem in der Werbe- und Konsumbranche hundert und tausendfach wiederverwenden. Soziale Netzwerke haben diesen Handel mit erschaffen, Dating-Apps springen auf den Zug mit auf. Bei all diesen Plattformen geben User:innen oftmals intimste Daten freiwillig an – und das oftmals auch zur weiteren Verwendung in der Werbung.

Vor allem Facebook steht als größte soziale Plattform immer wieder in der Kritik, seiner datenschutzrechtlichen Verantwortung nicht gerecht zu werden. Was ist an den Vorwürfen der Datenschützer:innen dran? Ist der Datenschutz bei Facebook wirklich so schlecht und ändern die neuen Richtlinien zum Datenschutz auf der Plattform das Problem?

 

Datenschutz bei Facebook

Das Thema ist heikel. Facebook lebt von den Daten der Nutzer:innen. Sie bezahlen die Nutzung dieser Plattform mit Ihren Daten, bewusst und unbewusst. Denn bei dem digitalen Fußabdruck, den sie zum Teil aktiv und wissentlich im größten sozialen Netzwerk der Welt hinterlassen, gibt es zwei Varianten:

  • Der aktive digitale Fußabdruck. Das sind Personenbezogene Daten, die freiwillig angegeben werden. Dazu kommt
  • Der passive digitale Fußabdruck. Hier spricht man von Daten, die Facebook automatisch sammelt, z.B. mittels Tracking.

Facebook gibt in der Datenschutzerklärung an, die freiwillig angegeben Daten hauptsächlich für Personalisierungszwecke zu verwenden. Aber diese Personalisierung hat zwei Seiten: Zum einen werden Anwender:innen passende Freund:innen oder Gruppen vorgeschlagen, zum anderen werden diese Daten aber vor allem für maßgeschneiderte Werbung verwendet. Zudem verkauft bzw. teilt Facebook Analysedaten über Nutzer:innen auch an und mit Dritten. Und hier setzt die Datenschutz-Kritik bei Facebook an – nicht zuletzt getrieben durch immer wieder kehrende Datenschutzskandale.

 

Welche personenbezogenen Daten werden bei Facebook erhoben?

Facebook ermöglicht es seinen Nutzer:innen bekanntermaßen in erster Linie, ein persönliches Profil anzulegen und sich mit anderen Anwender:innen zu vernetzen. Zu diesem Zweck werden bereits bei der Registrierung personenbezogene Daten wie etwa

  • Vor- und Nachname,

  • Alter, Geschlecht

  • Beruf

  • E-Mail-Adresse

  • oder Telefonnummer der Person abgefragt.

Um die Identität zu bestätigen, werden User:innen nach einem Scan Ihres Ausweises oder anderen amtlichen Unterlagen gefragt, denn die Die Facebook-Nutzungsbedingungen verlangen, dass Nutzer:innen zur Registrierung Ihren echten Namen verwenden.

Im Laufe der Nutzung können die Anwender:innen dann ihr Profil nach eigenem Belieben mit Fotos, Videos, persönlichen Postings oder Stories ausgestalten. Bereits durch diese Funktionen – und die Bereitschaft der Nutzer:innen, persönliche Informationen sowie ihr privates und berufliches Leben freiwillig zu teilen – lässt sich aus dem Facebook-Profil ein umfassendes Persönlichkeitsprofil der jeweiligen Person erstellen. Diese Informationen kombiniert Facebook über verschiedene von dir genutzte Geräte hinweg. Zum Beispiel verwendet Facebook Informationen, die Sie über die Nutzung durch das Smartphone preisgegeben haben, für eine bessere Personalisierung der gezeigten Inhalte (einschließlich Werbeanzeigen). So werden beispielsweise Werbeanzeigen, die Sie sehen, wenn Sie Facebook über einen Laptop nutzen, entsprechend angepasst.

Darüber hinaus erhebt Facebook weitere technische Daten, sogenannte Metadaten, und wertet diese aus. Hierbei handelt es sich quasi um Informationen über freiwillig bereitgestellte Daten, wie etwa die IP-Adresse, der Browser und das Betriebssystem sowie der Standort der Nutzer:innen. Auch diese Informationen stellen nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs personenbezogene Daten dar und unterfallen somit dem Datenschutz.

Neben dem Nutzungsverhalten auf der Plattform selbst werden zudem mithilfe von Cookies und der Einbindung des sogenannten Like-Buttons auf Websites von Unternehmen auch außerhalb der unmittelbaren Anwendung von Facebook Nutzungsdaten erhoben und mit dem Facebook-Profil verknüpft. Über die Facebook-Like-Button, die zwar mittlerweile aktiv auf externen Websites bestätigt werden müssen, sammelt Facebook auch Informationen über Internet-Nutzer:innen, die gar kein Profil auf der Sozialen Plattform haben.

Auf diese Weise entstehen umfassende Datensätze über die einzelnen Facebook-Nutzer:innen, die weit über das hinausgehen, was einzelne Nutzer:innen freiwillig und bewusst in den eigenen Online-Profilen teilen. Ziel dieser Datensammlungen ist es, sich ein möglichst genaues Bild über die Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Anwender:innen zu machen und die so entstehenden Datensätze zu verkaufen. Unternehmen nutzen die Informationen dann wiederum, um die jeweiligen Website-Inhalte, insbesondere die auf Facebook enthaltene Werbung, individuell anzupassen, somit mehr Kund:innen zu akquirieren und eine stärkere Kundenbindung zu erzielen. Es sind hierfür mehr als 1000 Spezifizierungen für Facebook-Werbungen bekannt, die der Personalisierung dienen.

 

Kritik am Datenschutz bei Facebook

An der „Daten-Sammelwut“ der sozialen Netzwerke wird zum einen kritisiert, dass die Plattformen regelrecht dazu auffordern, private Daten öffentlich zu teilen, und zum anderen, dass sie von den meisten Nutzer:innen unbemerkt sämtliche Nutzungsdaten verarbeiten und zu Werbezwecken weitergeben. Vor allem letzteres ist datenschutzrechtlich relevant, da bei dieser Art der Datenverarbeitung fraglich ist, ob eine Zustimmung der betreffenden Nutzer:in vorliegt. Eine sehr umstrittene Praxis stellt vor allem das oben beschriebene Tracking dar, bei dem Facebook mithilfe von Cookies das Nutzungsverhalten von Personen analysiert, die Partner-Websites des sozialen Netzwerks aufrufen.

Da es sich dabei um personenbezogene Daten handelt, unterliegt diese Praxis grundsätzlich den Regularien der Datenschutzgrundverordnung DSGVO. Strittig ist insofern vor allem, wer hier die datenschutzrechtlich sensiblen Daten der Nutzer:innen erhebt. Einerseits stellt Facebook die technische Infrastruktur zum Aufbau der Fanpages zur Verfügung, andererseits bleibt das Anlegen einer Fanpage sowie die Einbindung des Like-Buttons in den Quelltext der Website dem Unternehmen selbst überlassen. Ungeachtet dessen, wer letztendlich juristisch für die Einhaltung des Datenschutzes verantwortlich ist, ist es jedoch sowohl Facebook als auch den werbenden Partnerunternehmen anzuraten, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Datenschutz zu wahren. Leider ist aber sowohl die Datenerhebung als auch -weitergabe nach wie vor nicht sehr transparent gestaltet und viele User:innen fühlen sich durch die vielen verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten überfordert.

Andere Skandale bekommen viele hingegen gar nicht mit. So wurde aufgedeckt, dass Facebook die bereits erhobenen Daten von User:innen mit zugekauften Datensätzen von Marktforschungsunternehmen und Datenhändler:innen anreichert, die diese Daten aus anderen Internetquellen haben. So kann Facebook komplett gläserne Nutzer:innen erschaffen, über die das Unternehmen scheinbar alles weiß.

Um dies voranzutreiben, will Facebook auch, entgegen ursprünglicher Ankündigungen, die Daten des gekauften Messenger-Dienstes WhatsApp mit den Facebook-Daten fusionieren. Dies heizt natürlich die Facebook-Datenschutz-Kritik an. Mit den Daten von Instagram ist eine solche Zusammenlegung bereits geschehen. Bei WhatsApp scheiterte Facebook zumindest vorläufig an einem Gerichtsurteil: Das Verwaltungsgericht Hamburg urteile 2017, dass Facebook vorerst nicht auf die WhatsApp-Daten deutscher Nutzer:innen zugreifen darf. Gegen dieses Urteil kämpft Facebook natürlich an, denn die WhatsApp-Profile enthalten eine Vielzahl von Daten, die die Facebook-Profile noch vollständiger machen.

 

Facebook Privatsphäre Einstellungen anpassen

Facebook hat indes nachgerüstet und neue Datenschutzbestimmungen auf Facebook umgesetzt. Unter dem Punkt „Privatsphäre-Check“ können Sie relativ übersichtlich sehen, wie Ihre Einstellungen momentan sind und diese ändern.

Sie haben nun bereits ein privates Facebook-Profil, wollen (künftig) aber noch weniger Daten auf Facebook preisgeben? So können Sie die Facebook Privatsphäre-Einstellungen anpassen:

  • Facebook-App: Bei der Facebook-App sieht es mit dem Datenschutz heikel aus. Nutzen Sie am Handy, wenn möglich, nicht die App, sondern loggen Sie sich bei Bedarf über den Browser ein. Sind Sie bei der App am Smartphone dauerhaft an der Facebook-App angemeldet, übermitteln Sie nämlich ihr tägliches Bewegungsprofil an Facebook.
  • Schützen Sie Ihr Facebook-Profil vor Google-Suchen: Unter „Privatsphäre“ > „Anwendungen und Webseiten“ können Sie die Funktion ausschalten, dass Ihr Profil in Google-Suchen angezeigt wird.
  • Wenn Sie auch von anderen Facebook-Nutzer:nnen nicht gefunden und aus der Facebook-Suche ausgeschlossen werden möchten, dann stellen Sie dies über „Privatsphäre“ > „Suche“ ein.
  • Begrenzen Sie in den Einstellungen den Kreis derer, die Ihre Chronik sehen dürfen. So machen Sie Ihre Informationen einem kleineren Personenkreis zugänglich.
  • Den Empfängerkreis für neue Nachrichten können Sie zudem vor dem Posten jedes Beitrages manuell einstellen.
  • Aktivieren Sie die „Überprüfen“-Funktion: So können Sie Markierungen Ihres Profils und auch Beiträge, in denen Sie erwähnt werden, erst überprüfen und ggf. manuell freigeben.
  • Stories: Unter „Einstellungen“ > „Stories“ können Sie es ablehnen, dass Andere Ihre Story teilen können.
  • Gesichtserkennung: Wenn Sie vom Facebook-Algorithmus nicht automatisch auf Bildern erkannt werden möchten, dann schalten Sie dies aus unter „Einstellungen“ > „Gesichtserkennung“.
  • Werbeeinstellungen: Unter „Einstellungen und Privatsphäre“ > „Privatsphäre auf einen Blick“ > „Werbepräferenzen“ > „Deine Werbepräferenzen überprüfen“ können Sie erkennen, warum Ihnen welche Werbung angezeigt wird. Hier können Sie unter „Einstellungen für Werbung“ alle Häkchen auf „Nicht zulassen“ bzw. „Niemand“ setzen.
    Unter „Deine Informationen“ können Sie zudem deaktivieren, dass Sie Werbung basierend auf Ihrem Beziehungsstatus, Arbeitgeber:in etc. erhalten möchten.
    Unter „Werbethemen verbergen“ können Sie Werbeanzeigen zum „Alkohol“, „Kinderbeziehung“ und „Haustiere“ „Dauerhaft verbergen“
  • Standortdaten: Unter „Einstellungen“ > „Standort“ sollte der „Standortverlauf“ auf „aus“ sein.
  • Aktivitäten außerhalb von Facebook: Hier können Sie sehen, welche Informationen zu Ihren Aktivitäten außerhalb von Facebook Facebook von anderen Unternehmen über Sie erhalten hat. Löschen Sie diesen Verlauf unter „Verlauf entfernen“. Facebook erhält diese Informationen, weil Sie sich bei anderen Diensten mit Ihrem Facebook-Konto angemeldet haben. Dies sollten Sie im Sinne der Datensparsamkeit künftig unterlassen. Welche Apps das sind, sehen Sie unter dem Punkt „Einstellungen“ > „Apps und Websites“.

 

Autorin: Kathrin Strauß
Artikel veröffentlicht am: 26. Oktober 2020

Bitte beachten Sie: Allgemeine Beiträge können eine datenschutzrechtliche Beratung im Einzelfall nicht ersetzen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit unsere Blogbeiträge können wir keine Gewähr übernehmen. Inhalte beziehen sich immer auf die Rechts- und Faktenlage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und sind deshalb zum Zeitpunkt des Aufrufs möglicherweise nicht mehr aktuell.

Check: Datensensibilität bei Mitarbeitern

Die DSGVO kann in einem Unternehmen nur umgesetzt werden, wenn die Mitarbeiter umfassend in diesem Bereich geschult sind.

Mitarbeiter, die mit der automatisierten Verarbeitung von personenbezogenen Daten zu tun haben, müssen für den richtigen Umgang mit diesen Daten sensibilisiert werden. Nur so können sie Datenschutzpannen vorgebeugt werden. Sind Ihre Mitarbeiter fit im Datenschutz?

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